Friedenskirche
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Gedanken zum Wochenende, 04.09.2010

„Die Last der Lautstärke"

In den vergangenen Wochen haben wir uns in den „Gedanken zum Wochenende“ mit Musik beschäftigt. Heute wollen wir über die Lautstärke nachdenken. Jeder Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach schönen Klängen und Harmonie, gewiss, aber erstaunlicherweise hat der Mensch auch eine unerklärliche Sehnsucht nach Lautstärke, insbesondere bei der Musik.

Man ist geneigt, zu sagen: Der Teufel, der bekanntlich nichts so sehr hasst wie Musik, hat lange gebraucht, bis er das bösartigste Kampfmittel gegen allen Wohlklang und gegen das menschliche Ohr erfunden hatte: Die ungebremste Lautstärke. Manche Menschen haben sich schon in jungen Jahren durch die stundenlange Dröhnung das Gehör ruiniert.

Ein Organist hat es unseren Konfirmanden einmal so erklärt: Der laute Schall zerstört die Sinneshärchen im Innenohr, die den Ton an die Hörnerven weiterleiten. Diese feinen Härchen werden von scheppernden Gitarren, kreischenden Sängern und verprügelten Schlagzeugen niedergewalzt wie Bäume vom Hurrican oder wie ein Kornfeld nach dem Hagelschlag. Diese Sinneshärchen sind unwiederbringlich kaputt. Darüber freuen sich allenfalls die Hersteller von Hörgeräten.

Der Liedermacher Reinhard Mey versucht auf originelle Weise, auf die wachsende Gefahr der hochtechnisierten, immer lauter werdenden elektronisch verstärkten Musik aufmerksam zu machen: In einem seiner Lieder heißt es: „Da lob ich mir ein Stück Musik von Hand gemacht, noch von einem richt'gen Menschen mit dem Kopf erdacht, 'ne Gitarre, die noch so wie 'ne Gitarre klingt, und 'ne Stimme, die sich anhört, als ob da jemand singt. Halt ein Stück Musik aus Fleisch und Blut, meinetwegen auch mal mit 'nem kleinen Fehler, das tut gut! Das geht los und funktioniert immer und überall, auch am Ende der Welt, bei Nacht und Stromausfall." Letztgenanntes ist die Stimmung, in der auch Konfirmanden am liebsten singen. (Anfang der Ferien waren wir mit ihnen zwar nicht am Ende der Welt, aber dafür im Steigerwald…).

Ich wünsche Ihnen jetzt ein Wochenende mit Liedern, die ohne Strom erzeugt werden können,

Ihr Pfarrer Bernd Töpfer, Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Marktheidenfeld

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Seite zuletzt aktualisiert am 03. September 2010.